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Grudeherd

Als Grudeherd war bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts ein Ofen bekannt, der sowohl auf außen gelegenen Herdplatten als auch im Innenbereich die Zubereitung von Speisen ermöglichte. Derartige Modelle waren in der Anschaffung sowie im Unterhalt vergleichsweise preisgünstig, ließen sich daher also häufiger finden.

Allgemeines zum Grudeherd

Beinahe in jeder modernen Küche lässt sich heute ein leistungsstarker Herd finden. Ein Luxus, den insbesondere frühere Generationen nicht kannten. Bei ihnen ließen sich zumeist nur vergleichsweise simple Kochstellen nachweisen, die aber auch sehr effizient arbeiten konnten. Eine von ihnen stellte der Grudeherd dar. Als Grude wurde in den östlichen Teilen des Landes bis etwa in die 1950er Jahre hinein die zum Glühen gebrachte Kohle bezeichnet. Mit ihr konnte eine im Herd befindliche Vertiefung gefüllt und diese mit Töpfen oder Pfannen bestückt werden. Im Ergebnis setzte ein langsames Garen oder Warmhalten der Gerichte ein, die nicht selten für mehrere Stunden auf der Wärmequelle belassen wurden – und etwa über Nacht perfekte Ergebnisse erzielten.

Ohne Anbraten ging es nicht

Sicherlich war es möglich, Töpfe mit Wasser, Fleisch und Gemüse aufzusetzen und daraus binnen wenigen Stunden ohne weiteres Zutun eine Suppe zu kochen. Für den gelungenen Braten bedurfte es dagegen etwas mehr Aufwand. Das scharfe Anbraten war in der glühenden Kohle meist nicht möglich, weswegen das Fleisch zunächst auf dem Herd einer starken Hitze ausgesetzt und anschließend mitsamt der Pfanne in die Grude gegeben wurde. Vergleichbar also mit dem heutigen Vorgehen, das Steak erst auf der Herdplatte anzubraten und es sodann im Ofen garen zu lassen. Mag sich die Technik bis in die heutige Zeit hinein verbessert haben, so ist das Prinzip dieser Art der Zubereitung doch seit rund 150 Jahren unverändert geblieben.

Es wurde Energie gespart

Ein weiterer Vorteil des Grudeherdes lag darin, dass er mit vergleichsweise geringen Kosten betrieben werden konnte. Insbesondere die nicht wohlhabenden Gesellschaftsschichten fanden darin ein Gerät, das mit kleinem Aufwand die Wohnung wärmte und die Zubereitung von Lebensmitteln gewährleistete. Lediglich die dafür erforderliche Kohle musste erworben werden – ließ sich aber auch durch gesammeltes Holz aus dem Wald ersetzen. Es war daher häufig nicht schwierig, kosteneffizient zu agieren und die Ausgaben für die genutzte Energie auf ein Minimum zu senken. Zumal der Grudeherd selbst einen relativ simplen Aufbau darstellte und im Regelfall nicht allzu teuer bezahlt werden musste. Im Gegensatz zum eisernen Ofen wurde in ihm keine hochpreisige Anschaffung gesehen.

Aus Stahl und Metall

Bereits der Aufbau eines solchen Grudeherdes wirkt aus heutiger Sicht überraschend einfach. Meist handelte es sich dabei um Modelle aus leichtem Metall, die zuweilen um hölzerne Elemente zur Zierde ergänzt wurden. Lediglich das Innere des Herdes wurde mit Gusseisen ausgekleidet, um eine möglichst lange Haltbarkeit und eine optimale Speicherung der Wärme zu erreichen. Ein derart beschaffener Grudeofen ließ sich daher auch in mehrere Teile zerlegen und konnte mühelos selbst in höher gelegene Wohnungen transportiert werden. Für den Anwender hielt ein solches Gerät also zahlreiche Vorteile bereit. Es verwundert somit nicht, dass der Grudeherd vom ausgehenden 19. bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts hinein zu den am häufigsten verwendeten Wärmequellen zählte.

Heute nicht mehr gebräuchlich

Allerdings besitzt der Grudeherd heute bestenfalls einen nostalgischen Wert. Er wird in seiner Form nicht mehr produziert und vertrieben. Zwar lassen sich auf dem Trödelmarkt noch einige altgediente Exemplare finden. Aber das Anfeuern der Kohle und das Zubereiten der Speisen nimmt dabei relativ viel Zeit und Aufwand in Anspruch. Die Verwendung endlicher Ressourcen gilt zudem als ökologisch bedenklich und ökonomisch fragwürdig. Immer wieder kann in Museen aber die Funktionsweise des Herdes demonstriert werden, um auch jüngeren Generationen einen Eindruck von den vielfach hohen Mühen zu vermitteln, die das Kochen oder Braten einer leckeren Speise für viele unserer Vorfahren noch bedeutete.

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